zurück Bedeutung der Azusa Street bis heute


Feuer in meinen Knochen
J. Lee. Grady vom amerikanischen Charisma +online
28. April 2006

Die Zukunft der Pfingstbewegung: Wohin gehen wir jetzt?

Wir müssen das geistliche Feuer, das wir verloren haben,
wieder für uns in Anspruch nehmen. Wir müssen auch bereit sein,
alles Fadgewordene und Überalterte zu begraben.


Pfingstler aus aller Welt kommen in diesen Tagen in Los Angeles zusammen, um das 100-jährige Jubiläum der Erweckung zu begehen, die diese Bewegung in Gang gesetzt hat. Ungefähr 3.000 Menschen begannen die Party am Samstag, indem sie mit Fahnen und Bannern durch einen Teil der Innenstadt zogen. Die kleine Prozession wurde im Gebiet von Little Tokio beendet, dort, wo der Pfingstpionier "Daddy" Seymour vor einem Jahrhundert seine berühmte Azusa-Street-Erweckungsgottesdienste hielt.

Gestern versammelten sich 23.000 Menschen im Los Angeles Convention Center zu speziellen Erweckungsgottesdiensten. Andere Azusa-Veranstaltungen wurden im Fred Price's Faith Dome, im Bishop Charles Blake's West Angeles Cathedral und im Angelus Temple abgehalten - der ältesten Pfingst-Megagemeinde Amerikas.


Azusa ist ein Wunder, das es wert ist, gefeiert zu werden.

Seymour's improvisierte, gemischtrassige Gebetstreffen, die in einem einstmaligen Stall abgehalten wurden, zogen zwischen 1906 und 1909 neugierige Christen aus aller Welt an. Viele der Anwesenden bestätigten später, dass sie eine lebensverändernde "Taufe im Heiligen Geist" erfahren hätten, die ansteckend war. Das Pfingstfeuer breitete sich schnell aus, wodurch unzählige neue Denominationen geboren wurden.

Was in diesem kleinen Gebäude in der Azusa Street begann (dort gab es nur Bänke aus rohem Holz und eine Kanzel, die aus Schuhkartons notdürftig aufgebaut worden war), ist zu einer Bewegung von inzwischen bald 600 Millionen Christen herangewachsen, die daran glauben, dass es die Wunder, wie sie in der Apostelgeschichte beschrieben sind, auch heute noch gibt.

Was in einem ärmlichen Wohnviertel angefangen hatte, ist inzwischen in wohlhabende Wohngegenden vorgedrungen. Was einmal als religiöser Fanatismus verlacht wurde, ist inzwischen zum allgemeinen Trend avanciert. Wir haben die ländlichen Kirchenbaracken durch anspruchsvolle Megagemeinden aus Glas und Stahl ausgetauscht; statt Sägespäne liegen nun Plüschteppiche auf den Fußböden; statt Holzbänke haben wir jetzt gepolsterte Sitze; Zeltevangelisationen wurden in akklimatisierte Fernsehstudios verlegt. Und unsere heutigen Kanzeln sind aus Plexiglas.

Das nenn ich Fortschritt...


Während in Los Angeles noch weitere tausende Pfingstler an diesem Wochenende erwartet werden, brauchen wir mehr als ein Festival. Wir müssen Bestandsaufnahme machen. Welche Hauptwerte aus der Azusa Street müssen wir wieder für uns in Anspruch nehmen? Einige kommen mir in den Sinn:

Rassengleichheit: Azusa war ein Experiment von gemischten Rassen. Weiße Pastoren aus Tennessee und North Carolina (besonders rassendiskriminierende Bundesstaaten, Anm.) knieten 1906 - einer Zeit der Rassentrennung - am Altar und erlaubten farbigen Männern und Frauen, ihnen die Hände aufzulegen und über ihnen zu beten. In vielen unserer heutigen Gemeinden ist die "Farbgrenze", die vom Azusa-Historiker Frank Bartleman als "weggewaschen" beschrieben wurde, wie ein hässlicher Fleck zurückgekehrt.

Bevollmächtigung von Frauen: Das Pfingstfeuer an der Azusa Street hat Geschlechtsvorurteile aufgedeckt. Einige der größten Predigerinnen des zwanzigsten Jahrhunderts können ihre Wurzeln auf diesen bescheidenen Stall zurückführen, wo Männer und Frauen die notdürftig zusammengenagelte Kanzel teilten. Heute tendieren wir mit all unseren technischen Errungenschaften dahin, den Frauen wieder die Tür vor der Nase zuzuschlagen, anstatt ihnen das Mikrophon in die Hand zu drücken.

Heiligkeit und Demut: Azusa war ganz sicher keine Prominentenveranstaltung. Seymour und die anderen, die die Azusa-Mission frequentierten, waren einfache Leute, die in Los Angeles lebten, lange bevor Hollywoods große Filmstudios gebaut wurden. Heutzutage schauen viele pfingstlich/charismatische Gemeinden mehr nach Hollywood aus und riechen auch so, als nach irgendetwas Heiligem.

Teppiche, Tonanlagen, PowerPoint, dreiteilige Anzüge, TV Kameras oder Plexiglas sind absolut kein Problem. Aber in einigen Fällen werden diese Dinge heutzutage benutzt, um unsere Oberflächlichkeit zu kaschieren - und unseren Verfall. Wenn Sägespäne uns wieder in tiefe geistliche Überzeugung und in leidenschaftliches Gebet zurückführen könnte, so wie sie in Azusa ausgewiesen waren, dann würde ich selbst darin rollen. Was wir jedoch wirklich benötigen, ist die Zerbrochenheit, von der Seymour geprägt war.

Während wie nun die verlorenen Werte der Vergangenheit wieder neu in Anspruch nehmen, dürfen wir nur nicht in die Nostalgiefalle tappen. Wir sind berufen, Jesus anzubeten, nicht die Pfingstbewegung. Wir können nicht zu den "guten alten Tagen" zurückkehren. Wir dürfen aus den alten Kirchengebäuden keine Götzen machen. Das ist ein Grund, warum ich mich freue, dass die Azusa-Mission vorüber ist.

Die Wolke der Gegenwart Gottes ist ständig in Bewegung und wir müssen dem Heiligen Geist folgen, während Er uns einem neuen Horizont entgegenführt. Während wir an den Werten der Vergangenheit festhalten, müssen wir das begraben, was fad und religiös geworden ist.

Gott warnte uns durch den Propheten Jesaja davor, uns von der Vergangenheit einschließen zu lassen, noch nicht einmal von guten Erinnerungen. "Doch hängt nicht wehmütig diesen Wundern nach! Bleibt nicht bei der Vergangenheit stehen", sagte Er (Jesaja 43,18), und meinte damit die guten Dinge, die Er getan hatte. "Schaut nach vorne, denn ich will etwas Neues tun! Es hat schon begonnen, ..." (Vers 19).

So sehr ich Azusa Street auch zu würdigen weiß, warte ich sehnlich auf dieses "Neue". Wenn William Seymour heute unter uns wäre, würde er es auch so sehen.


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